Hot on Cool – Das Millionenspiel

Das Millionenspiel, 1970, Tom Toelle

Die einzige TV-Produktion der Filmreihe „Hot on Cool“ stammt aus der fruchtbarsten und risikofreudigsten Periode desöffentlich-rechtlichen Rundfunks, die Ausstrahlung fand am 18. Oktober 1970 in der ARD statt und wurde vom WDR produziert. Insofern müsste man das Werk im Untertitel als „Cool on Cool“ kommentieren. Auch der zweite, Kinofilm des heutigen Abends, Le Prix du Danger, von Yves Boisset, ist eine Adaption der Kurzgeschichte „The Prize of Peril“ (1958) des US-Autors Robert Sheckley, der eine verwandte Story schon 1953 veröffentlicht hatte, einer visionären Vorwegnahme der erst Jahrzehnte später im Fernsehen auftauchenden Kategorie: Reality TV.

Drei bezahlte Killer jagen eine Woche lang den Kandidaten, von morgens um 7 bis abends um 11 quer durch die Bundesrepublik. Die Jäger können maximal 120.000 DM bekommen, wenn sie den Kandidaten in den letzten 3 Stunden vor Spielende zur Strecke bringen, wenn nicht, erhält der Gejagte 1 Million DM. Der Höhepunkt des Spektakels findet in der Gartlage-Halle in Osnabrück statt, wo die FernsehzuschauerInnen das fiktive dramatische Finale erleben sollen, wenn der Kandidat, dargestellt von Jörg Pleva, durch die „gläserne Todesschlange“ entweder heil durchkommt und zum Star des Spektakels wird oder hoffnungslos dem Tode zueilt. Dieter Thomas Heck ist mehr als überzeugend in der Position des Showmasters und bereits bekannt im echten Fernsehen durch die ZDF-Hitparade. Der Anführer der Bande wird dargestellt von Dieter Hallervorden. Auch Unterbrecher-Werbung gibt es bereits nach dem Vorbild US-amerikanischer Programme.

Viele verstanden das Werk durchaus, aber es führte zur größten Publikumsresonanz in der Geschichte des deutschen Fernsehspiels. Noch am gleichen Abend riefen rund 1000 Fernsehzuschauer an und empörten sich darüber, die Programmmacher, Regisseur Tom Toelle und Drehbuchautor Wolfgang Menge, wurden an Leib und Leben bedroht. Wolfgang Menge erzählte in einem Interview aber von wirklich vielen erstaunlichen Reaktionen, die diese Show ernst nahmen, die sich als Kandidaten bewerben wollten, vornehmlich für den Gejagten, wegen der Million, aber auch als Mitglieder der Jägerbande. Kurz, die Fernsehverantwortlichen hatten in Folge damit zu tun, diese Sendung zu erläutern und zu versuchen, der Öffentlichkeit zu erklären, was mit diesem Experiment beabsichtigt war. Durch Probleme mit den Filmrechten war das Werk nach Erscheinen rund 30 Jahre unsichtbar und konnte erst Anfang der 2000 er Jahre wieder gezeigt werden. Tom Toelle, war ein deutscher Fernseh-, Film- und Theaterregisseur, bekannt auch durch Filme wie Via Mala (John Knittel) mit Mario Adorf (1985) oder Der Trinker (Hans Fallada) mit Harald Juhnke in der Hauptrolle (1995). 1971 wurde er gemeinsam mit dem Drehbuchautor Wolfgang Menge für das Millionenspiel mit dem Prix Italia ausgezeichnet, einem
renommierten internationalen Fernsehpreis.

Wolfgang Menge, war ein deutscher Journalist, Moderator und vor allem Drehbuchautor (von bekannten Serien wie Stahlnetz, Ein Herz und eine Seele, Edgar Wallace-Filmen oder Tatort). Smog, ein zweiter Film für den Wolfgang Menge das Drehbuch verfasst hatte, und der auch gut in die Reihe gepasst hätte, ist ein fiktiver Dokumentarfilm von 1973 unter der Regie von Wolfgang Petersen, der eine Smogkatastrophe im Ruhrgebiet behandelt. Auch dieser Film wurde von Teilen des Fernsehpublikums für real gehalten, indem besorgte ZuseherInnen beim WDR anriefen. Er zeigt vor allem die Rolle des Fernsehens bei einer Umweltkatastrophe als Informationsdienst aber auch Vehikel der Industrie und Politik um die Bevölkerung zu disziplinieren, man fühlt sich dabei durchaus an die Corona-Periode erinnert. Wolfgang Menge wurde 1973 mit dem Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste für das Drehbuch von Smog ausgezeichnet. (Günther Selichar)

Die von Günther Selichar kuratierte Reihe Hot on Cool war von 6. bis 27. November 2025 im Filmmuseum zu sehen.