Hot on Cool – Being There

Being There, 1979, Hal Ashby
Being There, 1979, Hal Ashby
(Foto: Sammlung Österreichisches Filmmuseum)

1968 wurde der Film In the Heat of the Night von Norman Jewison, ein Werk mit Sidney Poitier, Rod Steiger und Warren Oates, mit 5 Oscars ausgezeichnet, einen davon erhielt Hal Ashby, der Regisseur von Being There, für den besten Filmschnitt, bevor er eine dritte Oscar-Nominierung für die beste Regie für den Film Coming Home von 1978 erhielt, ein Vietnam-Heimkehrer-Drama mit den DarstellerInnen Jane Fonda und Jon Voight. In beiden genannten Filmen führte Haskell Wexler die Kamera, dessen Film Medium Cool und hier als Regisseur ebenfalls Teil der Filmreihe ist.

Hal Ashby ist ein Repräsentant von “New Hollywood”, einer Generation von Filmemachern, die das strenge Hollywoodsystem gemäß den deutlichen gesellschaftlichen Veränderungen der Zeit aufgebrochen haben und wohl eine der interessantesten Perioden des amerikanischen Kinos entwickelten. Andere bekannte Filme, die Ashby als Regisseur verantwortet hat, sind Harold and Maude (1971), The Last Detail (1973) und die sehr erfolgreichen Werke Shampoo (1975) und Bound for Glory (1976).

Being There von 1979 zeigt uns eine fast märchenhafte Geschichte über einen durch Zufälle hervorgerufenen Aufstieg eines konservativ gekleideten Gärtners mit einfachem Gemüt, der in seinem bisherigen Leben nur das Haus und den kleinen Garten seines Arbeitgebers gekannt hat. Ansonsten wurde er in dieser überschaubaren Welt ausschließlich über das Fernsehen, das er überaus liebt, sozialisiert. Dies entspricht in gewisser Weise Niklas Luhmanns bekanntem Satz: “Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Medien.” So ist es eben bei Chance, dem Gärtner, der nach dem Ableben seines Arbeitgebers, das Haus verlassen muss und in die wirkliche Welt hineinstolpert und zunächst Unannehmlichkeiten, denen er begegnet, versucht mit der Fernbedienung auszuschalten. Durch einen Schock vor einem Geschäft mit Fernsehgeräten, wo er sich fasziniert selbst auf den Bildschirmen sehen kann, wird er durch ein Missgeschick in einen kleinen Unfall verwickelt, welches sein Lebensumfeld komplett verändert. In einer darauffolgenden nächtlichen Autofahrt mit der Besitzerin des Automobils, welches ihn leicht touchierte, die Frau eines bedeutenden Mannes der obersten Gesellschaftsschicht, bemerkt er erstaunt, “this is just like television …” und trifft damit einen nicht unwesentlichen Teil der automobilen Faszination. In weiterer Folge kommt “Chauncey Gardiner”, dessen Name “Chance, the gardener” von Eve Rand falsch verstanden wird, in deren prachtvolles Haus (übrigens gefilmt am berühmten Biltmore Estate von George Washington Vanderbilt in Ashville, North Carolina, dem größten je gebauten Privathaus in den USA). Doch auch dort fröhnt er seinem Fernsehenthusiasmus und betont immer wieder: “I like to watch”, dies selbst als ihm Eve eindeutige Avancen macht. Eves Mann, Ben Rand, ein erfolgreicher, aber schwer kranker Geschäftsmann, findet Chauncey überaus sympathisch und seine lapidaren Aussagen besonders klug. So landet er schließlich durch seinen Protegé in höchsten gesellschaftlichen, medialen und politischen Kreisen, bis zur Bekanntschaft mit dem amerikanischen Präsidenten, der von seinen fast wittgensteinhaft einfachen Kommentaren ebenso beeindruckt wie verunsichert ist, denn selbst die Geheimdienste können keine wesentlichen Informationen über diesen rätselhaften Mann finden.

Man muss bei dieser Parabel Hal Ashbys an Platons Höhlengleichnis denken, wo die Betrachter die Ereignisse hinter ihnen nur über die Schatten auf einer gegenüberliegenden Wand beobachten können, eine Wahrnehmung über die Bande sozusagen.

Hal Ashbys Parabel der Mediengesellschaft und der Leitfunktion des Mediums TV der späten 1970 er Jahre zeigt humorvoll mit Peter Sellers in seiner vorletzten Filmrolle und Shirley Maclaine als seinem verwirrten Gegenüber, und dem großartigen Melvyn Douglas in der Rolle ihres Mannes Ben (der dafür einen Oscar erhielt), den Weg in eine Gesellschaft, in der Massenmedien zur ernsthaften Konkurrenz mit realen Erfahrungen werden. In einem Telefoninterview fragt ein Journalist Gärtner Chance: “Are you there?” Und nur einmal gibt er die gegenteilige Antwort auf sein eigentliches Sein: “Yes, I am here”. (Günther Selichar)

Die von Günther Selichar kuratierte Reihe Hot on Cool war von 6. bis 27. November 2025 im Filmmuseum zu sehen.