
(Foto: Sammlung Österreichisches Filmmuseum)
Edward R. Murrow ist ein bis heute hoch geschätzter Journalist und Kriegsberichterstatter, der für den Sender CBS, bei dem er fast sein ganzes Arbeitsleben verblieb, ab 1935 arbeitete und ab 1937 als Direktor der “CBS European Operations“ mit Radio-Live-Berichterstattungen von London und aus Europa vor und während des zweiten Weltkrieges seine Karriere startete. Murrows erster gemeinsamer, mit seinem Kollegen William Shirer verfasster Bericht als Direktor von CBS Europe, war eine Live-Radiosendung aus Wien über den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, eine Premiere für damalige Radio-Nachrichten. Später setzte er seine Live-Reports aus London fort, die eine absolute Neuheit für die damaligen Massenmedien darstellten, wo bisher via Printmedien und Kino-Wochenschauen oder vorbereitete Moderationen im Radio von kriegerischen Konflikten berichtet wurde. Während der deutschen Bombardements von London 1940 entwickelte Murrows seine legendäre Verabschiedung “Good Night, and Good Luck”, die er auch später bei seinen TV-Sendungen beibehalten wird. Später zurück in den USA und nach diversen Positionen bei CBS begann Murrow ab 1950 für das Fernsehprogramm zu arbeiten, das er zunächst wegen seiner Bildlastigkeit im Gegensatz zum “Fokus auf Ideen” beim Radio eher kritisch eingeschätzt hatte. 1951 begann die Ausstrahlung seiner TV-Sendung “See it now”, im Titel adaptiert von seiner vorherigen Radiosendung “Hear it now”, die immer wieder kontroversielle Themen aufgriff und welche in den Folgejahren zu einem wichtigen Counterpart zu den umstrittenen Aktivitäten des Senators Joseph McCarthy wurde und letztlich auch zu seinem Fall als Inquisitor des sogenannten “Red Scare” führte, der Verfolgung und Verleumdung kommunistischer und links gerichteter Persönlichkeiten in der Politik, den Medien, nicht zuletzt im Bereich Hollywoods oder der US-Armee. Dieser Sieg Murrows, der dabei vehement auf die demokratischen Grundrechte der freien Meinungsäußerung und korrekter Verfahrensführung pochte und McCarthy auch die Gelegenheit zu einer persönlichen Gegenrede in der Sendung ermöglichte, wurde auch beim Fernsehpublikum entsprechend honoriert und zeigt ein best practice-Beispiel der möglichen Rolle von Massenmedien als sogenannte “Vierte Gewalt” im Staat. Aber nachdem darauf folgend die Einschaltquoten seiner Sendung zurückgingen, der Sendeplatz weniger prominent wurde, dazu die ersten Quizshows extrem populär wurden und sich schließlich auch der Sponsor seiner Sendung zurückzog, wurde “See it now” 1958 eingestellt. Neben weiteren Tätigkeiten bei CBS bezog er später auch wichtige politische Positionen, wie als Direktor der United States Information Agency. Er verstarb 1965, sein Nachlass befindet sich an der Tufts University in Medford, am Rande Bostons.
In George Clooneys Film wird die Zeit von 1953/54, die Auseinandersetzung mit Senator McCarthy, aufbereitet. Clooney selbst, der einer der größten Schauspielstars der amerikanischen TV- und Filmindustrie ist, muss man nicht näher vorstellen, aber man sollte darauf hinweisen, das er seine Schauspielkarriere Ende der 70er Jahre im TV begonnen hat, ebendort bis Mitte der 90er Jahre außergewöhnlich erfolgreich war und immer wieder dorthin zurückkehrte, vor allem aber auch, dass er Drehbuchautor, Produzent, politischer Aktivist und der Regisseur von mittlerweile 9 Spielfilmen ist, darunter sein erstes Werk in dieser Funktion, Confessions of a Dangerous Mind von 2002, der die Doppelrolle eines Fernsehproduzenten/-moderators und Spions beschreibt, auch dieser Film hätte in die Filmreihe gepasst.
2006 wurde Good Night, and Good Luck für die Oscars Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (David Strathairn), Bestes Szenenbild, Beste Kamera und Bestes Originaldrehbuch nominiert. Neben diversen anderen Preisen wurde George Clooney bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig 2005 dafür der FIPRESCI-Preis verliehen. Im Frühjahr 2025 wurde eine Bühnenadaption am New Yorker Winter Garden Theatre unter der Regie von David Cromer mit George Clooney in der Hauptrolle aufgeführt, wofür er mit dem Theatre World Award ausgezeichnet wurde.
In einer Rede 1958 hält Edward Murrow fest: “We are currently wealthy, fat, comfortable and complacent. We have a built-in allergy to unpleasant or disturbing information. Our mass media reflect this.” Auch heute noch gültig. (Günther Selichar)
Die von Günther Selichar kuratierte Reihe Hot on Cool war von 6. bis 27. November 2025 im Filmmuseum zu sehen.