
(Foto: Sammlung Österreichisches Filmmuseum)
1995 gab es für den Film Quiz Show Oscarnominierungen u.a. für Robert Redford, der leider erst vor wenigen Monaten verstorben ist, der hier als höchst smarter Regisseur, wie des öfteren seine Rolle als gemeinhin populärer Schauspieler mit einer jahrzehntelangen höchst erfolgreichen Karriere, wechselt. Neben seinen Regiearbeiten ist er vor allem als Gründer des Sundance Filmfestivals in wertvoller Erinnerung. Die Filmographie von Robert Redford anzusprechen, würde diesen Rahmen bei weitem sprengen, doch möchte ich einerseits aus österreichischer Sicht einen Streifen erwähnen, Downhill Racer von 1963, u.a. mit Gene Hackman und in dem Redford einen Schifahrer spielt, welcher am Arlberg und Kitzbühel antritt, wo Teile des Films auch gedreht wurden. Aber in punkto Massenmedien gibt es mehrere Filme, die mit Robert Redford als Schauspieler in einer der Hauptrollen in Zusammenhang stehen: Truth (2015) von James Vanderbilt, mit Cate Blanchett; The Electric Horseman (1979) von Sidney Pollack, mit Jane Fonda und Alan J. Pakulas All the President’s Men (1976), mit Dustin Hoffman.
Ratespiele und Wissenswettbewerbe mit Preisversprechen, und wenn auch in erster Linie die berühmten 15 Minuten Ruhm, waren schon früh Methoden, ein großes zunächst Radio- und dann Fernsehpublikum zu erreichen. Abgeleitet wurden diese Fragerunden von “Multiple Choice-Tests” des amerikanischen Militärs und Universitäten, eine Art neuer Auswahl- und Bewertungskriterien. Selbst der amerikanische Medienanalyst Neil Postman war ob des Erfolgs des Spieles “Trivial Pursuit” erstaunt, das sich 1985 rund 20 Millionen mal verkaufte. Und er schlussfolgerte, dass all die zusammenhanglosen Fakten, die hier gekonnt vorgeführt wurden, in erster Linie der Zerstreuung dienten. Im deutschen Radio starteten Quizsendungen Ende der 40er Jahre, im Fernsehen ab 1953, sie trafen auf ein Publikum mit schwacher Bildung. Ende der 60er Jahre ging das Publikumsinteresse zurück und das öffentlich-rechtliche Fernsehen antwortete mit mehr spielerischen Konzepten wie “Der große Preis” oder “Dalli, Dalli”, aber immer noch aus einer bildungsbürgerlichen Perspektive entwickelt. Der Moderator des Quotenhits, des heiteren Berufe-Ratens “Was bin ich?” (abgeleitet von einem Quiz-Format des US-Senders CBS), Robert Lembke, charakterisierte den Einfluss des Fernsehens mit einem legendären Bonmot: “Aus dem Kreis der Familie war ein Halbkreis geworden”.
Durch die Einführung des Privatfernsehens in den 80er Jahren kam es zu einer Erweiterung dieser Konzepte und einer Amerikanisierung derselben, “Glücksrad” mit 4000 Folgen auf SAT 1 und “Jeopardy” sind Beispiele dafür. Werbung war ein substantieller Faktor und der frühere Faktenwissenswettbewerb war fast verschwunden. Erst 1999 auf RTL mit Günther Jauchs “Wer wird Millionär?” kam die Multiple Choice-Methode wieder zurück, das Preisgeld war ebenfalls in Lotto 6 er-Höhe angewachsen, und wurde zu einem großen Publikumserfolg, wie Sendungen dieser Art bis heute existieren. Zu diesem Zeitpunkt befinden wir uns mittlerweile am Beginn der weltweiten “Big Brother”-Ära, welche die Quiz- und Wettbewerbssituation im Sinne einer darwinistisch-kapitalistischen Ellbogenmethode bis hin zu Ekelwettbewerben eines “Dschungelcamp” in bisher unbekannte Tiefenregionen der Peinlichkeit und Selbstentblößung des Fernsehens katapultierte, oder muss man dies als verzweifelten Abwehrkampf eines bisherigen Leitmediums gegen den heraufkommenden Bedeutungsverlust in einer multimedialen Mediengesellschaft deuten? – Aber das ist eine andere Geschichte, die von anderen Werken der Filmreihe abgehandelt wird.
In den USA erreichten Quiz-Shows im Fernsehen in den 50 er Jahren bereits Einschaltquoten von bis zu 85%. Die Twenty-One-Show auf NBC ist eine davon und Robert Redfords Film bezieht sich auf diese wahre Begebenheit, die wegen des Skandals über eine geschobene Show mit präparierten Kandidaten zu einem veritablen Vertrauensverlust beim Fernsehpublikum führte. Der Sendungssponsor (gespielt von Martin Scorsese) eiskalt: “The audience did not tune in to watch the amazing display or the intellectual ability. They just wanted to watch the money.” Dieser Skandal hatte 1958 schließlich den “Television Quiz Show Act” zur Folge, der zwar sponsordominierte Programme in der Primetime verbot, aber die Verantwortlichen der Twenty-One-Show blieben von der Grand Jury unbehelligt. Producer Freedman in der Befragung: “We are in showbusiness”. (Günther Selichar)
Die von Günther Selichar kuratierte Reihe Hot on Cool war von 6. bis 27. November 2025 im Filmmuseum zu sehen.