„Rummel um Luchino Visconti“

Als der Regisseur 1966 im Filmmuseum zu Gast war

Anlässlich unserer aktuellen Retrospektive zu Luchino Visconti lohnt ein Blick in unser Pressearchiv. Dort finden sich Berichte aus dem Februar 1966, die von einem “Ereignis ersten Ranges für Filmfans” (Arbeiter-Zeitung) zeugen, das über eine gewöhnliche Filmvorführung hinausging: Luchino Visconti war anwesend – und im Filmsaal der Albertina kam es zu einem regelrechten „Rummel“ um den italienischen Regisseur.

Presseclipping Arbeiter-Zeitung vom 22. Februar 1966

Am 24. Februar 1966 eröffnete das Österreichische Filmmuseum eine umfassende Präsentation von Viscontis filmischem Werk. Dass Visconti selbst zur Eröffnung anwesend war, verlieh der Schau eine besondere Strahlkraft und der Regisseur wurde von filmbegeisterten Autogrammjägern begrüßt. Der Express vom 28. Februar 1966 berichtet von einem „Sturm auf die Eintrittskarten“ zur Vorführung von Vaghe stelle dell’orsa (Sandra), mit der das Gesamtwerk in Originalfassung eröffnet wurde.

Presseclipping Express (Morgenausgabe) vom 28. Februar 1966

Visconti war zu dieser Zeit in Wien, weil er an der Wiener Staatsoper Verdis Falstaff inszenierte. Auch das verdeutlicht wie sehr sich in seiner Person unterschiedliche künstlerische Welten bündelten: Film, Oper, Theater – und ein Publikum, das ihm mit großer Aufmerksamkeit begegnete.

Presseclipping Kurier vom 21. Februar 1966

Rückblickend lässt sich dieser Besuch auch als ein frühes Beispiel für das Selbstverständnis des Filmmuseums lesen: als Ort, an dem Filmgeschichte nicht nur archiviert, sondern im direkten Austausch mit ihren Protagonist*innen und ihrem Publikum verhandelt wird. Die Präsentation von Viscontis Gesamtwerk im Jahr 1966 war keine nostalgische Rückschau, sondern auch eine zeitgenössische Auseinandersetzung mit einem Regisseur, dessen Filme als ästhetisch anspruchsvoll, politisch reflektiert und diskussionswürdig galten.

Luchino Visconti 1966 im Österreichischen Filmmuseum
(Sammlung Österreichisches Filmmuseum – Foto Fanedl)

Sechzig Jahre später knüpft unsere aktuelle Retrospektive an diesen historischen Moment an. Sie lädt dazu ein, Viscontis Filme wieder auf der großen Leinwand zu sehen – und sich zugleich daran zu erinnern, dass ihr Schöpfer einst selbst im Kinosaal anwesend war, umringt vom begeisterten Wiener Publikum.

Die Retrospektive im Österreichischen Filmmuseum ist noch bis 25. Februar 2026 zu sehen.


Eine kleine archivische Nachbemerkung: Das damals am besten beurteilte und für die Zeitungen ausgewählte Foto von Viscontis Besuch (mit Peter Konlechner im Hintergrund) ist für uns heute nur durch die Zeitungsausschnitte überliefert und nicht als Abzug in unserer Fotosammlung erhalten geblieben.