Hot on Cool – Deadline / War Zone – Todeszone

Christopher Walken, der hier die Hauptrolle spielt, und der seine schauspielerische Karriere beim Fernsehen und am Theater begonnen hat, bemerkte einmal, dass er Rollen nie abgelehnt hat, nur wenn er keine Zeit hatte, weil er aus jeder Rolle lernt. Wichtige Filme, in denen er in Haupt- oder auch markanten Nebenrollen mitgespielt hat sind: The Anderson Tapes (1971) von Sidney Lumet, The Deer Hunter (1978) von Michael Cimino, für den er einen Oscar erhielt, The Dead Zone (1983) von David Cronenberg, The King of New York (1990) und The Funeral (1996) von Abel Ferrara oder Pulp Fiction (1994) von Quentin Tarantino. In einem Interview bemerkte er einmal, er habe kein Mobiltelefon, habe nie geemailed oder getwittert.

Nathaniel Gutman ist ein israelisch-amerikanisch-deutscher Film- und Fernsehregisseur und Drehbuchautor, der sich dem nicht enden wollenden Nahostkonflikt angenommen hat, wie manch andere vor ihm.

Es gibt z.B. interessante Parallelen zu einem Film vom deutschen Regisseur Volker Schlöndorff, Die Fälschung von 1981, der mit den ProtagonistInnen Bruno Ganz und Hannah Schygulla ebenfalls Beirut und den libanesischen Bürgerkrieg ins Zentrum der Handlung setzt. Bruno Ganz spielt hier einen Reporter eines deutschen Printmediums, der in eine unüberblickbare und chaotische Situation hineingerät, wo es nicht nur Außenstehenden schwer fällt die Spreu vom Weizen zu trennen und der darauf in eine Art Sinnkrise darüber verfällt, was diese Tätigkeit eigentlich bedeutet. In Gutmans Film Deadline wird schon im Titel auf die Problematiken internationaler ReporterInnen in Kriegskonflikten hingewiesen, die die Gesetzmäßigkeiten der westlichen Medienwelt anspricht. Zeitdruck und die Gier nach sensationellen Bildern von Tod und Leid sind treibende Faktoren in der sich auch Don Stevens, verkörpert durch Christopher Walken, nach einem eher gediegenen Job als Berichterstatter bei den Pariser Modeschauen, mehr als überrascht wiederfindet. Inmitten einer Horde internationaler BerichterstatterInnen in einem sicheren Hotel vor Ort, merkt er sehr schnell, dass einerseits die Konkurrenz zwischen den JournalistInnen im Haus, aber auch die undurchdringliche Bürgerkriegssituation mit vielen Parteien mit ihren jeweils unterschiedlichen Interessenslagen ein Wirrwarr offenbart, wo er um jeden Hinweis einerseits von KollegInnen und andererseits von Zufallsbekanntschaften oder recherchierten Quellen froh ist, aber ein klarer Durchblick oder Sinn sich kaum erheben lässt. Dieser Dschungel von mehr oder weniger verlässlichen Quellen richtet den Blick auf einen ganz wesentlichen Aspekt von Kriegs- oder auch anderen Berichterstattungen, die dann oft in fahrlässiger Weise unsere Fernsehschirme oder Frühstückstische als televisive oder gedruckte Beiträge besetzen. Denn Don Stevens erfährt einen journalistischen Super-GAU, indem er einer gefakten, quasi sensationellen Information aufsitzt und dieses “spektakuläre” Interview zur Begeisterung seiner Redaktion zur Sendung übermittelt. Nach dieser stellt sich jedoch bald für ihn schockierend heraus, dass er einer gezielten Desinformation aufgesessen ist. Wenn auch vor Ort dies nur ein Partikel in einem weit verzweigten und teilweise hochprofessionellem Public-Relation-Fight der involvierten Parteien ist, so sind derlei Erfahrungen für einen Journalisten anzunehmend eine Explosion an seinen beruflichen Fundamenten. Nicht zuletzt dadurch setzt er daraufhin an, dieser mysteriösen Sache auf den Grund zu gehen, worauf sich neuerlich ethische Fragen bezüglich seines Berufes aufwerfen, bis wohin reicht Journalismus und wo beginnt möglicherweise Parteinahme und Aktivismus? Diese sehr zentralen Aspekte, die auch die heutigen Auseinandersetzungen um Medien und ihre Rolle im politischen Diskurs wesentlich dominieren, faktenbezogener Journalismus versus Meinungsjournalismus beispielsweise, werden in diesem Film, der die ganz große Bühne nie erreicht hat, sehr interessant angesprochen. Christian Wehrschütz, ORF-Auslandkorrespondent meint zu diesem Thema sehr klar in einem Interview in der Presse: “Ja, wobei mein journalistisches Interesse, mein Credo, ist, so viele Informationen wie möglich zu sammeln, um ein Lagebild zu zeichnen, sodass sich die österreichische Bevölkerung selbst eine Meinung machen kann. Ich habe weder einen moralischen noch einen politischen Auftrag, und schon gar nicht bin ich ein Mensch, der glaubt, eine Mission erfüllen zu müssen. Das halte ich für einen völlig falschen Zugang. Ein Journalist, der eine Mission hat, soll in die Politik gehen.” (Günther Selichar)

Die von Günther Selichar kuratierte Reihe Hot on Cool war von 6. bis 27. November 2025 im Filmmuseum zu sehen.